India Pale Ale – Ein Portrait

India Pale Ale

Das India Pale Ale, auch IPA Bier genannt, ist ein aus hellem Malz hergestelltes, ursprünglich aus England stammendes Bier. Der Begriff Pale Ale geht auf das 18. Jahrhundert zurück, wo es für Biere verwendet wurde, deren Malz über Koksfeuern anstelle von Holzfeuern geröstet wurde. Dadurch ergibt sich die typische, helle Farbe des Bieres. Der Unterschied zwischen einem India Pale Ale und einem Pale Ale besteht in dem höheren Hopfenanteil und einem erhöhten Alkoholgehalt.

Geschichte des India Pale Ale

Das IPA Bier entstand zur Zeit des britischen Empire. Für die Kolonien in Indien wurde ein Bier benötigt, das die lange Überfahrt zwischen Großbritannien und den Kronkolonien problemlos überstand. So wurde der Legende nach (die genauen Ursprünge des India Pale Ale liegen im Dunklen der Geschichte verborgen) das landläufig bekannte Pale Ale stärker eingebraut, mit einem höheren Alkoholgehalt versehen und stellenweise noch hopfengestopft. Hopfengestopft bedeutet, dass das Bier während der Reifung noch eine weitere Hopfengabe erhält, was zum einen die ansonsten stark flüchtigen Hopfenaromen in das Bier übergehen lässt, zum anderen die konservierende Wirkung erhöht. In der Hopfengabe lag auch eine Besonderheit des IPA Biers: Die Hopfendolden wurden nicht wie sonst beim Brauen üblich in die Sudpfanne gegeben, sondern direkt in die Holzfässer, in denen das Bier für die Seefahrt gelagert wurde. Das Ergebnis war ein stark bitteres, sehr alkoholhaltiges und extrem lagerfähiges Bier. Ursprünglich geplant war es, das IPA Bier in den Kolonien mit Wasser zu verdünnen, um den starken Hopfengeschmack abzumildern. Es stellte sich jedoch schnell raus, dass den Kolonialtruppen das Gebräu vorzüglich schmeckte. So wurde auf das Verwässern verzichtet und eine neue Biersorte war entstanden.

India Pale Ale – Geschmack und Farbe

Das India Pale Ale überrascht beim ersten Genuss mit seiner enormen Bitterkeit. Bereits beim Antrunk wird die Dominanz des Hopfens klar deutlich. Kaum ein anderes Bier fordert die Geschmacksknospen der Zunge so heraus wie das India Pale Ale. Hat man den ersten Bitter-Schock aber überwunden, überzeugt das India Pale Ale im Nachtrunk durch einen aromatischen Abgang, der in seiner Vielfalt schwerlich zu übertreffen ist. Noten von Frucht umspielen den Gaumen und harmonieren vorzüglich mit den leichten Anteilen von Malz- und Holzaromen. Der Bitteranteil liegt gemäß International Bitterness Unit zwischen 40 – 60 IBU (im Vergleich: Pils 30 – 45 IBU, helles Ale 15 – 30 IBU). Einige Sorten, insbesondere moderne India Pale Ale aus den Vereinigten Staaten, können einen Bitteranteil von mehr als 100 IBU erzielen.
Die Farbe des Bieres ist je nach Brauerei und verwendeten Rohstoffen schwankend zwischen hell-rötlich und dunkelbraun, auch an Bernstein erinnernde Farbtöne mit einer Tendenz zu Kupfer sind durchaus üblich.

IPA weltweit

Mit dem Aufkommen moderner Kühlanlagen und dem Ende der britischen Kolonien schien das Schicksal des India Pale Ale besiegelt. Untergärig gebraute Lagerbiere oder Pilsener schienen dem India Pale Ale vollständig den Rang abzulaufen und für mehrere Jahrzehnte verschwand das IPA in der Versenkung. Regionale Brauereien vor allem in England, Schottland und den USA stellten zwar immer kleine Kontingente des Bieres her, aber die Bedeutung für den internationalen Markt war durchaus gering. Dies änderte sich jedoch rapide mit dem Erstarken der Crafting und Brewpub Szene in den letzten Jahren. Hier konnte das India Pale Ale seine großen Vorteile, nämlich die obergärige Brauweise bei hohen Temperaturen und die schnelle Fertigstellung, voll ausspielen. Kleine Brauereien verfügen in der Regel nicht über große Lagerkapazitäten, wie sie für untergärige, kalt gebraute Biere benötigt werden. So liegt es nahe, dass Spezialitäten wie das India Pale Ale zu den absoluten Lieblingen der Crafting Szene aufstiegen.

IPA Deutschland

In Deutschland besetzt das India Pale Ale immer noch eine Nische und wird von den großen Brauereien vernachlässigt. Beck´s versucht zwar auf den Trend aufzuspringen und bietet Bierkennern mit seinem Pale Ale immerhin ein Derivat des IPA an, jedoch liegt das Brauen dieses Bieres in Deutschland nahezu komplett in der Hand von kleinen, regionalen Craft-Beer-Brauereien. Und hier hat es sich in unterschiedlichen Ausprägungen zum Flaggschiff gemausert, jede Craft-Brauerei hat zumindest ein India Pale Ale im Angebot. Empfehlenswerte IPA Deutschland sind beispielsweise das kraftvolle Eric’s IPA von Camba Bavaria, das würzige Trois Dames IPA von Raphael Mettler oder das einsteigerfreundliche Progusta von Braufactum.

IPA Rezept

Wer sich selber an einem India Pale Ale versuchen möchte, dem sei folgendes IPA Rezept für 10 Liter Bier empfohlen:

Zutaten
12 Liter weiches Brauwasser
2,3 kg Pale Ale Malz
0,3 kg Carapils
25 g Hopfen Centennial
50 g Hopfen Cascade
½ Pack Brauhefe

Maischeschema
Einmaischen bei 63° Celsius
70 Minuten Maischen bei 63° C
5 Minuten Maischen bei 73° C
5 Minuten Maischen bei 78° C
Anschließend 80 Minuten kochen lassen

Hopfengabe
12 g Centennnial 70 Minuten vor Ende
13 g Centennial 55 Minuten vor Ende
20 g Cascade 40 Minuten vor Ende
15 g Cascade bei Kochende
15 g Cascade während der Kühlung

Die Stammwürze des IPA sollte 12° P bei 11 Litern betragen. Die ideale Gärtemperatur liegt bei 22,5° Celsius. Für eine runde Reifung, bei der alle Geschmacksnuancen in das Bier übergehen können, sollte das IPA für drei Tage bei Raumtemperatur gelagert werden, danach maximal drei Wochen im Kühlschrank bei 5° Celsius nachreifen.

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