Weizenbier

Weizenbier

Weißbier oder je nach Region auch Weizenbier genannt, ist ein obergärig gebrautes Bier, welches mit einem hohen Anteil an Weizen oder Weizenmalz hergestellt wird. Der etymologische Wortursprung von Weizen und Weiß ist der gleiche, nur abhängig von der Region werden die Begriffe unterschiedlich verwendet.

Geschichte des Weizenbieres

Bereits in der Zeit der alten Babylonier und Ägypter wurde Bier aus Weizen gebraut. Die heute bekannten Weizenbiersorten fanden hingegen erst im 16. Jahrhundert ihren Einzug in die europäische Braukultur, vorher wurde jedes Getreide, welches regional verfügbar war, zum Brauen verwendet. Das bekannteste aller Weizenbiere, das bayerische Weizen, wurde erstmalig 1548 nördlich der Donau gebraut. Im restlichen Bayern war das Brauen von Bier aus Weizen hingegen vorerst strikt verboten – Weizen sollte so für die Ernährung der Bevölkerung gesichert werden. Bis 1871 blieb das Monopol, also das alleinige Recht auf Weizenbier brauen, bei den jeweiligen Herrschern des Staates Bayern. Erst 1872 wurde die erste Privatbrauerei in München gegründet.

Weißbier – Herstellung

Aus dem Rohstoff Weizen wird durch Wasserzugabe und anschließende Reduktion der erste Grundstoff für ein Weizenbier, nämlich das Weizenmalz, gewonnen. Ein heutiges Weißbier enthält in der Regel mehr als 70% Weizenanteil in der Maische, der Rest besteht je nach Sorte aus anderen Getreiden, zumeist Gerste. Der Maische wird in einem nächsten Schritt Hopfen zugefügt. Im Gegensatz zu anderen Biersorten enthält ein Weißbier nur geringe Anteile an Hopfen, dies erklärt den besonders milden, wenig bitteren Geschmack. Das Jungbier wird anschließend, und auch das ist eine Spezialität beim Weizenbier, in Flaschen abgefüllt und dort mit Hefe versetzt.

Weißbier

Je nach Region findet zwar auch eine Gärung in großen Bottichen statt, allerdings ist die Flaschengärung immer noch weit verbreitet und ein Qualitätsmerkmal guter Weißbiere. Die Reifung erfolgt in der Flasche für eine Woche bei hohen Temperaturen von 15 – 20° Celsius, danach folgt eine Kaltlagerphase von zwei Wochen Dauer bei 10° Celsius. Durch die Hefe wird der im Jungbier enthaltene Zucker in Alkohol umgewandelt. Für eine Haltbarmachung des Bieres wird zwischenzeitlich immer wieder filtriert. Ein klassisches Weißbier enthält auch noch im Endprodukt Schwebeteilchen, die von der Hefe stammen. Weiter ist es an seiner trüben Färbung erkennbar. Im Gegensatz dazu wird bei einem Kristallweizen das fertige Bier filtriert, um die kristallklare Färbung zu erzielen.

Weißbier wird obergärig hergestellt, was bedeutet, dass sich die verwendeten Hefen am Ende des Gärprozesses an der Oberfläche des Bieres absetzen. Durch leichtflüchtige chemische Verbindungen, dem Ester, die bei der Vergärung entstehen, ist ein gutes Weizenbier immer voller fruchtiger Aromen, die an Bananen oder Nelken erinnern.

Weizenbierarten

Das bekannteste Weizenbier ist das Hefeweizen. Dieses Weißbier wird auf traditionelle Weise durch Flaschengärung hergestellt und enthält auch im Endprodukt noch die Schwebebestandteile der Hefe. Der Geschmack ist vollmundig, leicht bitter und überaus erfrischend.

Das Kristallweizen wird, wie oben bereits erwähnt, vor dem Verkauf filtriert und kommt ohne Hefebestandteile in den Handel. Erstmalig wurde diese Bierspezialität 1924 von der Brauerei Farny hergestellt. Der Geschmack kann als spritzig, schlank und wenig bitter beschrieben werden.

Das Dunkle Hefeweizen ist weniger bekannt und somit eher ein Bier für Kenner. Die dunklere Färbung entsteht bereits während des Brauprozesses durch den erhöhten Anteil an Gerstenmalz. Der Geschmack ist überaus malzig mit einer Note von Karamell und besitzt eine ausgeprägte Fruchtigkeit.

Der Weizenbock ist das Starkbier unter den Weizenbieren. Sein Alkoholgehalt liegt bei 7 – 10 % im Gegensatz zu den sonst typischen 4 – 6 %.

Weizenbier Glas

Das Weißbier heutzutage

Der relativ hohe Kohlensäureanteil und der bei der Gärung entstehende, leicht an Bananen erinnernde Geschmack machen das Weizenbier zu einem der beliebtesten Sommergetränke. Etwa 6 Millionen Hektoliter Weizenbier werden im Einzelhandel jährlich in Deutschland verkauft. Die Hälfte des konsumierten Weißbieres wird dabei in der Gastronomie getrunken – zumeist als Flaschenbier, jedoch in letzter Zeit auch immer häufiger direkt vom Fass.

Brauereien
Die bekanntesten Brauereien von Weißbier sitzen im Süden Deutschlands. Die Brauerei Erdinger mit ihrem „Erdinger Weißbier“ stellt hierbei die wohlbekannteste Brauerei dar. Aber auch aus den Brauereien Hacker-Pschorr in München, Hacklberg in Passau oder Herrnbräu in Ingolstadt stammen Weißbiere, die längst überregional bekannt sind. Regionale Weizenbier Spezialitäten stammen aus der Brauerei Max Leibinger in Ravensburg, der Brauerei Gebr. Maisel in Bayreuth oder der Memminger Brauerei. Im Norden der Republik ist die Brauerei Fiege in Bochum unter anderem bekannt für ihr Weizen, aber auch aus Berlin oder Stralsund stammen hervorragende Weißbier Spezialitäten.

Craft-Bier
Ein Trend, der sich in vergangenen Jahren bei allen Biersorten abzeichnete und auch das Weizenbier erfasst hat, ist das sogenannte Crafting. Bei einem Craft-Bier setzen vor allem junge Start-Up Unternehmen auf die traditionelle Herstellung der Biere in kleinen Manufakturen. Diese in Handarbeit gebrauten Biere zeichnen sich durch ihre ökologische Herstellung, den Verzicht auf jegliche industrielle Unterstützung und besonders typische Geschmacksrichtungen aus. Bekannte Marken der Craft-Bier Szene sind Union, Schneider Weisse oder das Sierra Nevada von Kellerweis.

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