Der Mint Julep: Rezept-Vielfalt mit minimalem Aufwand

Mint Julep Cocktail
Mint Julep Cocktail

Aus wenigen Zutaten einen Drink zu zaubern, der optisch und geschmacklich fasziniert, ist keine Hexerei – sondern Mint Julep. Aber bevor der Mint Julep Bourbon-Cocktail mit frischer Minze Ihre Gäste beeindrucken kann, gilt es einige grundlegende Dinge zu beachten.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Das offizielle Rezept für den Mint Julep
  2. Einzelheiten unter der Lupe
  3. Welche Minze ist gemeint?
  4. Wie löse ich das Aroma aus den Blättern?
  5. Sollen die Blättchen im Cocktail verbleiben?
  6. Muss es zwingend ein Silberbecher sein?
  7. Gibt es Trinkregeln für den Mint Julep?
  8. Kann ich den Bourbon durch anderen Whisky ersetzen?
  9. Wann ist mein Cocktail ein Mint Julep?

Das offizielle Rezept für den Mint Julep

Die Anleitung zum Mixen des Cocktails liest sich genauso simpel wie sie ist. Für einen klassisch zubereiteten Mint Julep mit Whisky benötigen Sie lediglich:

Zutaten für einen Cocktail

6 cl Bourbon Whisky
2 Bar-/Teelöffel Wasser
1 Bar-/Teelöffel Puderzucker
15-20 Minz-Blättchen

sowie

1 Silberbecher
1 Stößel/Muddler
1 Rührer/Stirrer
1 Minz-Stängel als Garnitur

und das nahezu unerlässliche

Crushed Ice

Zunächst werden die Minz-Blättchen unter Zugabe des Zuckers und des Wassers gemuddelt; d.h. mit dem Stößel angedrückt. Auf den dabei entstehenden Extrakt kommt so viel Crushed Ice, dass der Becher randvoll ist. Nun fügen Sie den Whisky hinzu, rühren die Mischung um und füllen Eis nach, bis es eine kleine Haube bildet. Diese krönen Sie mit einem Minz-Stängel und können den Mint Julep als Cocktail servieren.

Einzelheiten unter der Lupe

So weit, so gut, so verwirrend – denn dieses Grundrezept lässt zahlreiche Fragen offen; andere wirft es auf. Die Antworten fallen recht unterschiedlich aus und eröffnen Ihnen zahlreiche Möglichkeiten, das oben stehende Mint-Julep-Rezept zu variieren.

Welche Minze ist gemeint?

Minze, die für einen Mint Julep bestimmt ist, muss aromatisch schmecken; darf jedoch nicht zu scharf sein und keinen zu starken Menthol-Anteil aufweisen. Bei der Verarbeitung sollten nur die Blätter bzw. die Blattspitzen, keinesfalls jedoch die Stiele verwendet werden.

Von den bekanntesten Minz-Sorten sind einige nicht, andere nur bedingt und dritte besonders gut für den Mint Julep geeignet:

Wegen zu mildem bzw. zu intensivem Geschmack scheiden Apfel- und Wasserminze sowie Pfefferminze aus. Die so genannte Nana-Minze erfüllt zwar alle genannten Anforderungen, besitzt aber einen auffallenden Eigengeruch. Er kann Ihrem Mint Julep “das gewisse Etwas” verleihen; ist jedoch buchstäblich Geschmackssache.

Gute Eigenschaften für die Verwendung in Cocktails zeigen Mentha spicata, die klassische Grüne Minze, und Menthanemorosa, die auch als Hemingway-, Kuba- oder Mojito-Minze bezeichnet wird. Sie sind ebenso mild wie aromatisch und damit geeignete Mint-Julep-Zutaten.

Die derzeit beste Wahl treffen Sie mit Mentha x cordifolia, einer Kreuzung aus Grüner Minze und Apfelminze. Sie stammt von dort, wo der Mint Julep einen besonderen Stand genießt: aus Louisville im US-amerikanischen Bundesstaat Kentucky. Hier findet jedes Jahr der Run for the Roses statt, an dessen Rand etwa 120.000 Minz-Whisky-Mischungen verkauft werden.

Wie löse ich das Aroma aus den Blättern?

Während die Auswahl der Minz-Sorte eine Frage individueller Vorlieben ist, gibt es zum optimalen Herauslösen der Aromen keine Alternative. Neben den oberflächlich haftenden Minz-Molekülen stecken in den grünen Blättchen zahlreiche weitere Duft- und Geschmacksstoffe, die im Mint Julep unerwünscht sind.

Es ist daher wichtig, nur die bevorzugten Aromen herauszulösen. Das geschieht einzig und allein durch leichtes Anstoßen mit dem Muddler. Die Zugabe der Geschmacksträger Zucker und Alkohol unterstützt das Verfahren und intensiviert die süß-frische Mint-Julep-Note.

Das vielfach übliche Zerreiben der Minze dient nur einem Zweck: die Handflächen des Barkeepers zu aromatisieren. Ebenso wenig sollten Sie die Blättchen für Ihren Mint Julep zerreißen, denn dadurch werden die Bitterstoffe der Minze umgehend freigesetzt.

Sollen die Blättchen im Cocktail verbleiben?

Als wesentlicher Bestandteil des Mint Julep sollte die Minze erhalten bleiben. Voraussetzung dafür ist jedoch eine besonders milde Sorte, besonders schonendes Muddeln oder besonders schnelles Trinken. Prinzipiell verhält es sich mit Minze im Cocktail wie bei Minze im Tee: Je länger sie wirkt, desto “grasiger” schmeckt der Aufguss.

Viele Barkeeper belassen die Blättchen daher nur einige Zeit im Mint-Julep-Ansatz und entfernen sie, bevor das Eis hinzukommt. Das nimmt zwischen fünf und sechs Minuten in Anspruch. Doch diese Geduldsprobe lohnt sich, denn der Cocktail bittert dadurch nicht nach.

Muss es zwingend ein Silberbecher sein?

Die Tradition verlangt es, den Mint Julep im Metallgefäß zu servieren. Dieser Brauch rührt aus der langen Geschichte des Mint Julep Cocktails, in der Glas über weite Strecken ein Luxusgut war. Darüber hinaus besitzt Metall eine hervorragende Leitfähigkeit und kühlt den Drink überdurchschnittlich weit herunter.

In Zeiten von Eismaschinen, Crusher & Co. ist es vor allem der Optik geschuldet, Mint Julep aus Metallgefäßen zu trinken. Die Außenflächen der Becher beschlagen durch das eingefüllte Eis und lassen den Drink besonders geheimnisvoll wirken.

Aus einem Highball-Glas schmeckt Mint Julep genauso gut; erwärmt sich jedoch deutlich schneller und sollte umso zügiger ausgetrunken werden.

Gibt es Trinkregeln für den Mint Julep?

Das führt umgehend zum nächsten Streitpunkt bzw. der Frage, wie Sie Cocktails mit Whisky am besten genießen. Traditionell wird der Mint Julep mit Strohhalm serviert – und das hat einen wortwörtlich guten Grund:

Am Boden des Trinkgefäßes befindet sich ein Großteil der intensiv schmeckenden Zucker-Minz-Mischung. Sie sollte Ihnen den ersten Eindruck vom Mint Julep geben. Den zweiten Schluck nehmen Sie ohne Strohhalm vom Rand des Glases. Dabei fließt der Cocktail durch die Eisschicht und entfaltet die Aromen des Whiskys.

Leckerer Mint Julep Cocktail
Leckerer Mint Julep Cocktail

Kann ich den Bourbon durch anderen Whisky ersetzen?

Diese Frage führt zurück in die Geschichte des Cocktails und beweist zugleich, wie variabel der Mint Julep ist:

Den angegebenen Whisky enthält der Drink erst seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert; davor wurde er ausschließlich mit Rum zubereitet. Rund 100 Jahre später war Brandy die erste Wahl für einen perfekten Mint Julep – am liebsten in Form edler französischer Cognacs. Im Zuge des Sezessionskrieges von 1861-1865 verlor sich diese Vorliebe jedoch wieder und erneut übernahm Whisky die Stelle des Alkohols im Drink.

Doch auch hierbei erweist sich der minzhaltige Cocktail als äußerst wandlungsfähig. Ein Mint Julep kann statt Bourbon auch Rye enthalten oder auf sonstigen fassgelagerten Spirituosen basieren. Die Spielarten sind schier grenzenlos und erlauben sogar Split-Base-Versionen aus Rum, Whisky und Cognac bzw. Likör statt des Zuckersirups.

Wann ist mein Cocktail ein Mint Julep?

Am Namen des Cocktails ändern solche Variationen nichts. Die heute gebräuchliche Bezeichnung für den Mint Julep entstand aus einer Zusammenführung des englischen Wortes mint und des persischen Begriffes julab. Korrekt übersetzt handelt es sich bei Mint Julep um “Minz-Rosenwasser”.

Diese Schöpfung verweist auf den Ursprung des Getränks: schlichtes aromatisiertes Zuckerwasser, das die Einnahme von Medizin erleichtern sollte. Als solches fand Mint Julep Eintrag in zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen, die die Geschichte dieses Cocktails bis in die frühe Neuzeit hinein verlängern.

Es ist also völlig egal, ob Sie Mint Julep mit Whisky, Rum oder einer anderen Basis-Spirituose zubereiten bzw. das Zuckerwasser durch Likör ersetzen – es bleibt stets das gleiche Getränk. Erst, wenn Sie die Minze weglassen, wird aus Mint Julep ein Cocktail, den Sie neu benennen müssten. Aktuellste Variationen ersetzen die Minze durch Geißblatt oder Jalapeno-Chilis. Wohl bekomm’s!

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