Unter Spirituosen werden ganz allgemein alle Flüssigkeiten zusammengefasst, die einen Mindestalkoholgehalt von 15% aufweisen und für den Verzehr geeignet sind. Von dieser Regel weicht allein der Eierlikör ab, der einen Mindestalkoholgehalt von 14% aufweisen darf. Der Begriff “Spirituosen” leitet sich aus dem lateinischen “Spiritus” ab und bedeutet dort wörtlich übersetzt “Geist”. Somit wären wir auch beim Thema, denn im Folgenden wird sich alles um die “geistigen Getränke” drehen. Spirituosen, auch Branntweine genannt, werden rund um die Erde in verschiedensten Ausführungen gebrannt, destilliert und gemaischt und sind aus fast keiner Kultur wegzudenken. Die ersten Destillate lassen sich bis ins erste Jahrhundert vor Christus zurückverfolgen. Damals noch recht einfache, rohe Erzeugnisse, sind die feinen Wässerchen heutzutage erlesene, hochqualitative Produkte, die auf keiner Feier fehlen. Für edle Sorten, die stellenweise mehrere Jahrzehnte reifen konnten, zahlen Kenner heute Preise von mehreren hundert Euro.

Die Spirituosen für Genießer – Whisky

Unter den Spirituosen gehört Whisky oder auch Whiskey ganz klar zu den bekanntesten Vertretern. Die Herkunft dieses edlen Tropfens lässt sich bereits am Namen erkennen. In Irland und den USA wird vornehmlich Whiskey destilliert und getrunken, während es die Schotten eher mit dem Whisky halten. Der Legende nach wurde der erste Whisky der Welt bereits im 5. Jahrhundert destilliert, wobei sich Iren und Schotten hier nicht einig sind, wer nun tatsächlich der erste Produzent war. Obwohl jeder Tropfen durch die verwendeten Rohstoffe und der Lagerung anders schmeckt, ist allen eines gemeinsam: Gebrannt werden diese Spirituosen nur aus Getreide, zumeist Gerste oder Roggen.

Die Lagerdauer im Holzfass muss mindestens 3 Jahre betragen, bevor diese feine Spirituose verkauft werden darf. Kenner können aus jeder Sorte das bei der Herstellung verwendete Fass, das Wasser und das Getreide herausschmecken. Man unterscheidet zwischen rauchigen und eher milden Sorten. Die feinste Variante ist der Single Malt, der nur aus Wasser und Gerste bestehen darf und ausschließlich in einer Destillerie hergestellt wurde. Bekannte Destillerien finden sich in den schottischen Highlands oder auf der Insel Islay. Irische Sorten kommen im Gegensatz zu ihren schottischen Pendants nicht mit Rauch in Kontakt, daher sind sie vom Geschmack her wesentlich milder und fast schon als süß zu bezeichnen.

Rum

Rum ist eine hochprozentige Spirituose aus der Melasse von Zuckerrohr. Melasse ist eine klebrige, dunkelbraune Flüssigkeit, die als Nebenprodukt bei der Herstellung von Zucker aus Zuckerrohr anfällt. Produziert wird diese Spirituose vornehmlich in der Karibik, Südamerika und den pazifischen Inselstaaten. Für die Basis wird die Melasse von Zuckerrohr mit Wasser vermischt und zur Gärung gebracht. Das Ergebnis ist ein Zuckerwein mit niedrigem Alkoholgehalt, der anschließend destilliert wird. Das Destillat wird anschließend mit destilliertem Wasser verdünnt und man erhält weißen Rum. Dieser wird häufig noch für einen längeren Zeitraum in Eichenfässern gelagert, um die Geschmacksqualität zu erhöhen und den Alkoholgehalt leicht abzuschwächen.

Grappa

Italien ist eines der größten Weinanbauländer Europas. Klar, dass von hier auch weltberühmte Spirituosen stammen. So auch der Grappa, ein Tresterbrand, der erstmalig bereits 1451 erwähnt wurde. Trester entsteht als Nebenprodukt bei der Erzeugung von Wein und bildet bei Vergärung Alkohole. Nach Destillation enthält die Spirituose zwischen 37,5 und 70 Volumenprozent Alkohol. Diese Spirituose wird gerne nach einem guten Essen als Magenaufräumer genossen, in Italien ist er auch häufig Begleiter von Espresso und anderen Kaffeespezialitäten. Sofern man diese Spirituosen pur genießt, kommt es auf die richtige Trinktemperatur an. Ein junger Grappa entfaltet sein volle Aroma am besten bei rund 10°, ältere Grappa mögen es lieber wärmer und schmecken im Temperaturbereich von 16-18° am vollmundigsten.

Wodka

Rein und klar – unter den Spirituosen ist der Wodka eindeutig das das sauberste Hochprozentige. Ein guter Wodka ist nahezu geschmacklos, kommt ohne jegliche Zusatzstoffe oder künstliche Aromen aus und verfügt über 40% Volumenalkohol. Der allererste Wodka wurde bereits im 14. Jahrhundert aus Getreide gebrannt. Ob nun allerdings das erste Gebräu aus Polen oder Russland kam, darüber streiten sich die Gelehrten bis heute. Das feine Tröpfchen wird je nach Region pur, auf Eis oder in Mixgetränken genossen. Da es vom Geschmack her nahezu neutral ist, eignet sich diese Spirituose ideal als Zutat für Cocktails jeglicher Art.

Obstbrand

Spirituosen, deren Grundlage Früchte sind, werden als Obstbrand oder Obstler bezeichnet. Bei der Herstellung werden die Früchte zunächst gemaischt. Beim Vorgang des Maischens wird die Ausgangssubstanz, in diesem Falle das Obst, mit Hefepilzen vermischt, die die Zellwände der Zutaten zerstören und so die Inhaltsstoffe freiwerden lassen. Diese Obstmaische wird nun vergoren und danach destilliert – der Obstbrand ist entstanden. Der Mindestalkoholgehalt beträgt mindestens 37,5%. Während ein Obstbrand auch mehreren Fruchtsorten bestehen darf, wird ein Obstler immer nur aus einer Frucht destilliert. Der Geschmack und die Qualität hängen in beiden Fällen aber sehr stark von der Qualität der verwendeten Früchte ab. Nur reife und hochwertige Zutaten versprechen einen optimalen Genuss – und je süßer die Frucht, desto höher ist der Alkoholgehalt nach der Destillation. Obstbrände genießt man vornehmlich bei Zimmertemperatur, je nach Region wird er auch leicht gekühlt serviert.

Likör – Die süße Spirituose

Spirituosen, die mindestens 100 Gramm Zucker pro Liter und aromatische Zusätze enthalten, werden als Liköre bezeichnet. Der Alkoholgehalt muss mindestens 15% betragen, in der Regel liegt er aber wesentlich höher. Günstige Liköre werden in der Regel synthetisch hergestellt, in der oberen Preisklasse ist aufwendige Handarbeit nötig, um aus den natürlichen Grundzutaten, wie Kräuter oder Obst, die Aromen herauszuziehen. Viele Liköre sind streng nach ihrer Herkunft oder der Ausführung geschützt. Ein Sambuca beispielsweise muss 350 Gramm Zucker, einen Anetholgehalt von einem Gramm und einen Alkoholgehalt von 38% pro Liter enthalten, um diese Bezeichnung tragen zu dürfen. Liköre trinkt man in der Regel pur, stellenweise werden Sie auch Cocktails beigefügt.

So unterschiedlich die genannten Spirituosen auch sein mögen, eines eint sie fast alle: Die Bezeichnungen gehen auf einen gleichen oder ähnlichen Wortstamm zurück. Uisge, Uisce, woda, grape – alle diese Urformen meinen das gleiche, nämlich “Wasser” oder “Wässerchen”. Dadurch wird auch klar, wie Spirituosen in früherer Zeit gesehen wurden, nämlich als “Wasser des Lebens”, als Elixier, das zu besonderen Gelegenheiten (oder auch einfach mal zwischendurch) getrunken wurde.